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Es ist nun Sonntag, fast schon 24h nach Punkt X und ich versuche noch immer zu checken, was da passiert ist. Irgendwie will es mir aber nicht gelingen. Ich bin 1.048km nonstop geradelt! Ich glaube, jeden, der mir das vor 1,5 Jahren vorhergesagt hätte, hätte ich für verrückt erklärt. Und ich bin mir nicht sicher, was unfassbarer ist; die Tatsache, dass ich das geschafft habe oder die Länge der Strecke selbst. Ich arbeite dran. 59:42h Bruttofahrzeit und 1,5h Schlaf in den letzten 72h. Da können die Zusammenhänge schon mal schwinden. Genauso, wie es einem nach 800km schon mal so vorkommen kann, als wäre man schon am Vortag die gleiche Strasse entlang gerollt und als wären einem die gleichen Leute entgegengekommen… Fakt ist jedenfalls, dass ich noch eine unabsehbare Zeit brauchen werde, um das geniale Erlebnis zu verarbeiten und zu fassen. Direkt nach dem 600’er Brevet konnte ich echt kaum laufen, da sich mein Knie nicht bewegen ließ und jetzt, eineinhalb Wochen später, lief es. Und wie es lief… 
Unterwegs am dritten Morgen: Tobias, Ich und Thorsten (v.l.) Leider war die Wetterprognose nichts für einen Regenfahrer, wie mich: drei Tage mit praller Sonne und Temperaturen von über 30°C; gepaart mit den Daten der Strecke von ca. 10.000hm auf die 1.000km! Das verhieß nichts Gutes. Vollgepumpt mit Kohlehydraten in jedweder Form, ging’s Donnerstag 10:00 Uhr pünktlich auf den ersten 600km Abschnitt, dem dann der 400’er folgen sollte. Aus reinem Leichtsinn hatte ich keine Sonnencreme eingepackt – Regenfahrer! Belohnt wurde das recht rasch mit blasenschlagendem Sonnenbrand an den Armen und in den Kniekehlen. Das ist ganz lecker bei ständig einknickenden Beinen. Dem setzte ich dann eine weitere Fahrt im Langarmtrikot entgegen, insofern man das so sehen kann. Nur gegen die brennenden Füße konnte ich nichts tun. In den fixierten Schuhen bildete sich ein extremer Hitzestau, der sich auch nicht so recht mit dem auszuübenden Druck auf die Pedale vertragen wollte. Wirklich knapp und gefährlich wurde es für mich schon am zweiten Kontrollpunkt, als ich kurz vor dem Kollaps stand. Angehalten und innerhalb von 5 Sekunden drückte mein Körper ca. zwei Liter Flüssigkeit aus allen Poren und ich sah schon die Anfänge meines Daseins an mir vorbeirauschen. Auch als mir meine Sachen runterfielen, konnte ich nichts tun, als apathisch dastehen und zusehen. Aber so schnell, wie es kam, verschwand das Phänomen dann auch wieder. 
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| Thorsten und ich in Amberg (v.r.) | Wieder einer "meiner" Berge |
Aber ehe das hier wieder zu einer selbstmitleidigen Aufzählung meiner Blessuren wird, möchte ich lieber meinen Mitfahrern, Michael Pilder, Tobias Hünerth und Thorsten Kessler bedanken, die einen nicht unwesentlichen Anteil zu meinem erfolgreichen Abschluss dieses Brevets beitrugen! Diesmal harmonierte die Gruppe absolut! Es erfüllte mich wirklich und ehrlich mit Stolz, die, durch Schulterklopfen und Äußerungen entgegengebrachte, Anerkennung meiner Leistungen durch „alte“ Randonneure anzunehmen. Fast ein Jahr Training machten sich jetzt bemerkbar: Nahezu jeder Berg war meiner. Ich hatte kaum physische und psychische Schwächephasen. Ich fuhr mit den alten Hasen und konnte die Gruppe selbst nach 800km noch ziehen. Nur einmal, als ich fast vor einem Hungerast stand, wurde es eng. Zum Glück hatte Peter Riffart, der mitten im Wald auftauchte, noch einen Power-Riegel für mich, der mich auch rettete. Schlaftechnisch hätte ich wohl durchfahren können, aber als Gruppe legten wir uns dann 1,5h in ein Randonneurshotel in Hirschaid (Sparkassenvorraum). Das war sicher nicht unvernünftig, da kurz danach ein langer 18%’iger Anstieg bevorstand. Auf 1.000km gibt es sicher einiges, was ich vergessen werde. Aber keinesfalls vergesse ich den 10km langen 40km/h Sprint zum 1.000km- Punkt (Das war reine Power!) und die gewisse Pause, zu der sich mitten in der Nacht vier Radfahrer direkt an der Bundesstrasse „genüsslich“ den Schritt salbten. Das werde ich auch die nächsten Wochen noch tun müssen. Und noch immer trage ich in meiner Nase diesen leicht süßlichen Geruch, der sich nach ca. 24h Radfahren am ganzen Körper ausbreitet. Mann, was hab ich mich in den Supermärkten geschämt, als um mich rum, trotz der Leute, so viel Platz war… Aber ich war auch stolz und bin es noch immer: 1.000km nonstop geradelt und meinem Knie geht’s blendend! Was kann jetzt noch kommen? Längere Strecken oder diese Strecken in kürzeren Zeiten? Als nächstes steht erstmal am 06.08. der Vogtland-Radmarathon mit 3.000hm auf 200km auf dem Plan. Ist zwar kein Wettbewerb im herkömmlichen Sinne, aber den als Erster zu beenden, hat in der Heimatstadt auch so seinen Reiz... 
Im Ziel: Thorsten, Ich, Tobias und Michael (v.l.) PS: Beim 2006'er Osterdorfer 1.000km Brevet gabs 49 Anmeldungen, 38 Starter und 24 Finisher inkl. einer Frau.
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