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Eigentlich mag ich ja Berge
Montag, 28. September 2009
Es war, nachdem ich im ersten Halbjahr 2009 voll auf die radsportliche Tube gedrückt hatte, der erste von drei geplanten Marathons für mich in diesem Jahr. Beim 2. Saale-Rennsteig-Marathon wollte ich mal schauen, was so läuferisch drin ist, wenn man einen Monat gar nicht in die Pedale getreten und sich ausschließlich den Laufschuhen hingegeben hatte. Bedenkt man, dass ich bis dahin schon 25.000 Radkilometer in den Beinen hatte, ist das notwendige Pensum, um wieder zum „Marathoni“  zu werden abschätzbar. Und es lief vom Ergebnis her recht gut: Erstmals, mit Platz 5 nach 42,195 km, ein einstelliger Rang im Gesamtklassement und auch noch die Altersklasse AK M30 gewonnen.
Dafür, dass ich tags zuvor bei den Randonneuren in Nordbayern noch 120 Kilometer Rad gefahren bin, fühlten sich meine Beine recht locker und gut an. Es ging auch die ersten Kilometer recht flockig voran und ich konnte mich leicht vom Hauptfeld absetzen. Mit Tobias Tanz aus der AK M20 lief ich bis zum ersten Anstieg über vier lange Kilometer bis nach Saalfeld. Dort musste er reißen lassen. Am Berg ist es beim Laufen, wie mit dem Rad: Rhythmus finden und durchstapfen. Ich tat das und war am Ende allein auf weiter Flur.
Die Strecke als solches ist wirklich sehenswert und trotz des Wechsels von Asphalt auf Waldweg gut zu laufen. Okay, das Wetter spielte an diesem Tag auch hervorragend mit. Sonnenschein, kein Wind und herbstlich frisch.
Dass der Saale-Rennsteig-Marathon nichts für Laufanfänger ist, wurde mir ab Kilometer 22-25 immer spürbarer klar. Es gibt Anstiege und es gibt Anstiege. Das was die Läufer hier nach der Halbmarathondistanz erwartet ist wirklich nicht zu unterschätzen. Dass letztes Jahr ein Lauffreund von mir bei Kilometer 30 ausstieg, konnte ich so langsam nachvollziehen. Wer sich und seinen Beinen mal richtig die Kante geben will, ist hier genau richtig. Durch die aufkommende Wärme und die langen Bergaufpassagen bekam ich zunehmend immer mehr Durst. Drei Becher Wasser pro Verpflegungsstelle waren schnell ganz normal. Ich war ziemlich geschlaucht ob der Dehydrierung. Ich weiß nicht, ob ich das Rennen zu schnell anging, immerhin lag ich bis Kilometer 36 auf Gesamtrang 3, oder ob einfach die langen, endlosen, unzähligen Anstiege Schuld daran waren, dass auch ich ernsthaft in Erwägung zog, abzubrechen. Meine Oberschenkel waren hart, fest und schmerzten unheimlich. Bergauf wurde nur noch gegangen und bergab mehr schlecht, als recht ein Laufschritt vorgegaukelt. Ich wollte zwar, dachte aber, nicht mehr zu können. Und dann, an der Verpflegungsstelle, wo der Drang dem Leiden ein Ende zu setzen, am stärksten war, standen so viele Kinder und feuerten die Läufer an, dass ich dachte: „Nein, das kannst du jetzt wirklich nicht bringen!“ und irgendwie weiterlief. Bei Kilometer 36 am Ende eines Berges kassierte mich der erste Läufer. Ich versuchte, sein Tempo mitzugehen, packte es aber nicht. Kurz vor der physischen Explosion ließ ich ihn ziehen. Und direkt vor dem Zielanstieg schloss auch Tobias wieder auf, lief mit mir gemeinsam den Berg hinauf und dann davon als Vierter ins Ziel.
Ob ich den Saale-Rennsteig-Marathon nochmal unter die Füße nehmen werde, kann ich jetzt nicht sagen. Empfehlenswert ist er allemal, weil er wirklich brutal und dennoch landschaftlich wunderschön daher kommt. Hinzu kommt der familiäre Charme, mit dem die Organisatoren das Event auf die Beine stellen und allen Läufern bis zum Schluss die verdiente Anerkennung zukommen lassen.
Für mich geht es in drei Wochen nach Stralsund zum
Rügenbrücken-Marathon. Mal sehen, ob ich dort meine bisherige Bestzeit toppen kann!?

 
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