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Am 30.06.07 sollte es nun endlich soweit sein. Mit der Teilnahme am Schweizer Radmarathon, der zugleich auch ein Worldcup-Rennen der Ultramarathon Cycling Association (UMCA) darstellte, bestritt ich den ersten sportlichen Wettkampf in meinem Leben überhaupt. Ein Rennen über 720 km nonstop um die Schweiz, durch Deutschland und Österreich stand auf dem Plan. Gleichzeitig zum Worldcup, gilt das Schweizer Rennen auch als RAAM-Qualifier. Wenn man innerhalb 115% der Zeit, des ersten, noch nicht für das Race Across America qualifizierten, ins Ziel kommt, ist man selbst für den Start in den USA qualifiziert. Nun gut. Der Streckenrekord lag bei ca. 23:40h, was meiner Meinung nach bedeutete, dass ein schneller „Rookie“ ungefähr 24h brauchen kann und ich somit mit 28h die Qualifikation in Sack und Tüten haben würde. Am Ende meines Rennens stand eine Top-Ten-Platzierung (10. und damit bester Deutscher), eine Fahrt über 600 km mit knapp über 23h und eine Fahrt über 720 km mit 27:37h und somit deutlich unter den geplanten 28h. Doch gereicht hat’s nicht! Der beste Rookie legte einen neuen Streckenrekord hin und konnte nur von Thomas Ratschob mit 22:52h (!!!) geschlagen werden. Somit ging meine Rechnung nicht auf. 2006 wäre meine Zeit eine Superquali gewesen. Aber so sind nun mal die Regeln und dass ich beim schnellsten Schweizer Radmarathon aller Zeiten starten würde, hat vorher keiner wissen können. 
Das Team: David, Ich, Detleff (v.l.)
Bei 650 km Anreise wird sogar diese schon zum Erlebnis und ehrlich gesagt, war ich froh, nicht zwei Tage mit Tempo 30 im Auto durch die Landen ziehen zu müssen. Wir reisten Donnerstag an und schliefen im Auto, was wir uns gemietet hatten. Ich war vollgefressen und konnte nicht gut schlafen. Mir fehlte das Kissen, warm war’s und aufgeregt war ich natürlich auch. Am Morgen ließ ich mich erstmal vom Dr. Beat Knechtle für seine Studien untersuchen und aß noch gemütlich ein kleines Frühstück, während sich David, ein Crewmitglied, auf seine 35 km-Laufrunde begab. Wir hatten noch ordentlich Zeit bis zum Start und konnten es daher ruhig angehen lassen. Nach und nach kamen immer mehr Fahrer und dieses Beschauen der Konkurrenten und das Abschnüffeln begann. Fährt der Quali? Was hat der für Rad? Sind diese Beine stärker als deine? Usw. Aber vielleicht macht diese Art der Aufregung solche Wettkämpfe aus. Ich wurde nervöser und nervöser. 12:10 Uhr Briefing. Ab 12:30 Uhr Start der RAAM-Qualifikaten im 30-Sekunden-Takt. Ich war wiedermal froh, Trtschka zu heißen, was bedeutete, dass ich ziemlich am Ende des Feldes starten würde, was wiederum psychisch von Vorteil ist, da man dann eher Überholender, als Überholter ist. Selbst gepflückt zu werden bleibt einem dann erspart. 12:43 Uhr ich war dran. Rauf aufs Rad und zack: weg war die Aufregung und die Nervosität. Rhythmus finden und treten. Ich tat’s und pflückte gleich auf den ersten Kilometern vier vor mir fahrende „Gegner“. Die Strecke hatte ich auf GPS und war somit auch die Sorge um die Streckenfindung los. Begleitfahrzeuge der anderen sind eine gute Möglichkeit, zu erfahren, wie es um die Konkurrenz steht: überholen sie dich, ist der Gegner nicht weit hinter dir. Nach und nach überholten mich keine Begleitfahrzeuge mehr. Es lief wahnsinnig gut, dafür, dass ich nicht wirklich in Topform gestartet war. Eine Erkältung kündigte sich an. Bis zur Hälfte des Rennens machte ich keine wirkliche Pause und erreicht somit kurz nach Mitternacht Sargans. Dort musste ich Pause machen und zwei meiner hartnäckigsten Verfolger ziehen lassen. Mein Magen rebellierte auf schärfste und ich dachte das erste Mal ernsthaft ans Aufgeben; oder besser Aufhören. Diese Hatz – muss denn das sein? Ich schaute in die Augen meiner Crewmitglieder und dachte: „Scheiße! Die Jungs trotteln hier im Auto ewig hinter dir her, versorgen dich, müssen deine Beschimpfungen ertragen und du willst aufhören, obwohl die Zeit und die Position für dich sprechen?!“ Also noch zehn Minuten Puls runterfahren und wieder aufs Rad! Das blöde ist, dass man ab einem gewissen Level nach jeder Pause tierisch friert und erst nach einigen Kilometern wieder warm wird, egal welche Temperaturen herrschen. 
Wir fuhren Richtung Sattel, dem höchsten Berg und „besten“ Anstieg des Rennens. Selbst Thomas Ratschob hatte mich vorher „gewarnt“. Am Fuße des Sattels war ein Checkpoint und ich konnte erstmals wieder richtiges Essen essen. Um den Anstieg wissend, verdrückte ich zwei Bananen, zwei Sandwich und sogar RedBull vertrug ich. Auf in den Berg! Was dann kam war das geilste Stück der gesamten Strecke! Herrlich und genau nach meinem Geschmack. Kein Berg, der dir die Knie bricht, sondern mit dem richtigen Gang und der richtigen Frequenz easy befahren werden kann. Er hätte noch länger sein dürfen. Zumindest dachte ich das zu diesem Zeitpunkt … Die Abfahrt war frisch und wohlweißlich hatte ich lange Handschuhe dabei. Welch ein Segen! Die Etappen danach waren irgendwie nicht mehr so mein Fall. Ich rollte sie ab und gut. Kann mich auch nicht mehr so dran erinnern. Als ich am Checkpoint 08 losfuhr, kam Thomas an (??) Was bedeutet das denn? Hammer; der hatte Minimum 110 km Vorsprung und war zu diesem Zeitpunkt schon auf der Zusatzrunde über eben diese 110 km. Im nächsten Ort holte er mich ein. Ich fuhr bewusst hinter ihm und versuchte keinesfalls auf Krampf dranzubleiben. Lieber aufs eigene Fahren und den eigenen Rhythmus konzentrieren, da noch ein paar Kilometer anstehen würden und die Körner rar wurden. Als ich beim Checkpoint 09 ankam fuhr er dann wenige Sekunden später wieder los. Eigentlich hatte ich überhaupt keinen Fokus auf die Gegner, was bei 720 Kilometern sicher auch schwer wäre. Ich wollte meine Zeit von 28h schaffen. Aber hätte ich mal lieber auch die Gegner im Auge behalten … Wie gesagt, nach 23:07h hatte ich die 605 km weg und begab mich nun selbst auch auf die 110 km-Runde. Und hier wurde ich böse überrascht: Das härteste, weil steilste, Teilstück des Rennens stand an, Mittagshitze, nur zwei halb gefüllte Trinkflaschen und das Begleitfahrzeug verloren! Ich Depp hatte aber auch nicht ins Roadbook geschaut und mir das Profil dieses Teil eingeprägt, um mich mental vorzubereiten. Mann, hatte ich eine Wut. Aber vielleicht war das gut so, denn umso stärker strapazierte ich die Pedale bergauf. Angekommen wusste ich dass ich gut in der Zeit lag und zu den 28h sogar noch Polster haben würde. Ich fuhr also die letzten beiden Teilstücke ohne zu hohen Druck. Mein Lauftrainer würde das „Nur noch heimlaufen.“ nennen. Hier war’s ein Fehler. Sicher hätte ich die fehlenden 30-35 Minuten nicht auf den letzen 75 km rausholen können aber ich wär’s sicherlich auch nicht so easy angegangen. Wie auch immer, nach 27:37h Bruttofahrzeit fiel der Hammer und ich war froh, dieses Rennen gemeistert zu haben. Wahrscheinlich komme ich wieder: Der Kratzer im Lack ist zwar nicht so tief wie der von der 220 km-nonstop-Winterwanderung, aber er ist immerhin sichtbar … 
Vielen Dank an mein Team, meine Sponsoren und alle anderen, die mir dieses unvergessliche Erlebnis ermöglicht haben! Nachtrag: Ich möchte hiermit, auch im Namen meines Teams, den Angehörigen und Freundes des, im Rahmen des diesjährigen Schweizer Radmarathons, verstorbenen deutschen Radsportfreundes, Frank Feuerberg, unser tiefstes Beileid und Mitgefühl zum Ausdruck bringen! | Km | Kat. | | | | Name | Vorname | Land | Startnr | Zeit | Status | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Ratschob | Thomas | CH | 21 | 22:52:00 | | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Emhofer | Gerhard | A | 5 | 23:33:00 | Qualifiziert | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Angst | Rolf | CH | 1 | 23:43:00 | Qualifiziert | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Meier | Hanspeter | CH | 16 | 24:01:00 | Qualifiziert | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Kiworra | Rainer | FL | 12 | 24:04:00 | Qualifiziert | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Gänsler | Markus | D | 8 | 24:46:00 | DNF | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Felten | Peter | D | 6 | 25:51:00 | DNF | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Misteli | Michael | CH | 17 | 26:03:00 | Qualifiziert | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Payer | Georg | A | 20 | 26:14:00 | Qualifiziert | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Hayoz | Pascal | CH | 9 | 26:22:00 | Qualifiziert | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Bachmann | Hermann | CH | 2 | 27:22:00 | | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Trtschka | Frank | D | 28 | 27:37:00 | | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Luginbuehl | Andreas | CH | 15 | 27:42:00 | | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Venzin | Mario | CH | 30 | 27:52:00 | DNF | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Stockar | Rudolf | CH | 26 | 28:53:00 | | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Trotta | Roberto | I | 27 | 29:31:00 | | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Sickel | Florian | D | 24 | 30:58:00 | | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Hohl | Hubertus | D | 10 | DNF | DNF | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Lang | Alexander | D | 13 | DNF | DNF | | 720 | Elite | Einzel | Velo | Herren | Feuerberg | Frank | D | 7 | DNF | DNF |
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